MASCHINENÜBERSETZUNG

Maschinenübersetzung mit Translations Memory Tools wie Trados

„Offenbar wird es wahrscheinlich etwas anders ablaufen, wenn automatische Systeme eine Lingua franca ersetzen”, als wenn eine Lingua franca eine andere Lingua franca ersetzt, so Ostler gegenüber Ihrem Korrespondenten. „Dieser Prozess wird bei Mainstream-Sprachen wesenlich schneller ablaufen, als bei den kleineren periphären Sprachen. Aber ich denke, dass sich diese Entwicklung unverkennbar innerhalb einer Generation vollziehen wird - sagen wir bis 2050.”

Und dennoch bietet Maschinenübersetzung bestenfalls noch immer nur ungleichmäßige Qualität. Google Translate ist womöglich die beste Variante aus dem bunten Strauß von Maschinenübersetzungssoftware. Laut der letzten Auswertung zählt es 200 Millionen Nutzer pro Monat und übersetzt an einem Tag den Gegenwert eines gesamten jährlichen Übersetzungspensums aller professionellen Übersetzer weltweit. Während es keinen Zweifel daran gibt, dass es ein mächtiges und nützliches Tool ist, so kann es doch peinliche Fehler fabrizieren. Es werden zwar weniger Fehler gezählt als noch 2001, als Google das Übersetzungstool herausbrachte, aber es scheint noch ein weiter Weg vor uns zu liegen, bis die Science-Fiction-Technologie für uns Realität wird.

Es ist realisierbar, menschliche Übersetzer durch Maschinenübersetzung bei schriftlichen Texten zu ersetzen. Text lässt sich leichter übersetzen, als eine Unterhaltung, und eignet sich besser für die Technologie, die durch gigantische, von Menschenhand übersetzte Text-Korpora „ausgebildet” wurde. Aber diese Tools sind nur so gut wie die Korpora selbst. Google Translate zieht seine Informationen aus einer Vielfalt an Texten, einschließlich Dokumenten von der Europäischen Union und den Vereinten Nationen. Diese strotzen vor Juristensprache und repräsentieren kaum die täglich gesprochene Sprache der Menschen. Mehr repräsentative Texte zu finden, ohne dabei die Verfechter der Urheberrechte auf den Plan zu rufen, könnte zu einem großen Stolperstein werden.

Auch wird sich weiterhin auf Englisch als vermittelnde Sprache für Übersetzungen verlassen. Herzlich wenige galicische Romane werden ins Walisische übersetzt, noch werden walisische Romane ins Galicische übersetzt. Jedoch finden Beide ihren Weg ins Englische. Wenn es auch sein mag, dass Menschen Englisch zukünftig nicht mehr als Linuga franca verwenden, dann zwingt die Notwendigkeit zumindest die Maschinenübersetzung dazu (wie Asya Pereltsvaig scheinbar Google Translate hat auffliegen lassen). Was Maschinenübersetzung ermöglichen wird, so Ostler, ist, dass sich jene „b – letztendlich – direkt in größere Themen miteinklinken können und an einem größeren Publikum teilhaben können”, da ihre Nischensprachen einfach durch bestimmte Geräte übersetzt werden können. Das hält, natürlich, Menschen in erster Linie davon ab, die Sprache zu lernen.

Gesprochene Sprache ist für Maschinenübersetzung heutzutage zu schnell und zu bruchstückhaft. Simple Diktiersoftware muss sorgfältig entwickelt werden, ganz zu schweigen von dem zusätzlichen Schritt des Übersetzens. Alltagsunterhaltungen sind voller falscher Satzanfänge und Fehler, die Sprecher und Zuhörer kaum wahrnehmen, von denen Computer aber überfordert sind. Und selbstverständlich vervielfachen der Tonfall, kulturelle Bezüge, Idiomatik und Humor noch die Herausforderungen. Der lebensnahe Babel Fish ist noch ein Stück weit weg.

Idealistische und pessimistische Gruppierungen scharen sich um die Zukunftsprognosen von Maschinenübersetzung. Ihr Korrespondent gehört zu den Pessimisten, aber würde sich gerne eines Besseren belehren lassen, weil Ostlers Zukunftsvision eine aufregende Variante ist. „Zunehmend werden elektronische Tools den Menschen das liefern, was sie aus Dokumenten und Aufnahmen in fremden Sprachen ziehen müssen”, erklärt er. „Und Echtzeit-Technik-Dinge werden den menschlichen Anforderungen an eine von-Angesicht-zu-Angesicht-Interaktion ebenso entgegenkommen.” Verbkonjugationstabellen und Vokabellisten könnten bald Geschichte sein. Allen voran Schulkinder und viele andere würden über eine Lingua franca-freie Zukunft vor Freude jubeln.

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