Der Berufsalltag der Übersetzers

Viele Übersetzer und Dolmetscher sind nicht fest angestellt, sondern selbständig tätig. Sie erhalten ihre Aufträge entweder direkt von eigenen Kunden oder als freie Mitarbeiter über Agenturen (Übersetzungsbüros), die einen Teil des Honorars für die Vermittlung und Koordination zwischen Kunde und Übersetzer einbehalten.

Bezahlt werden Übersetzungsleistungen meist auf der Basis der übersetzten Textmenge, die in Normseiten, Normzeilen, Wörtern oder Zeichen (jeweils entweder des Ziel- oder Ausgangstextes) gemessen werden kann. Daneben ist auch die Abrechnung nach Aufwand (Arbeitszeit) möglich, die gewöhnlich insbesondere für das Korrekturlesen/Überarbeiten anderweitig angefertigter Übersetzungen, Formatierungs- und DTP-Arbeiten u. Ä. verwendet wird. Bei der Preisgestaltung spielen verschiedene Faktoren wie Arbeitssprache (westeuropäische, osteuropäische, asiatische …), Textart und Schwierigkeitsgrad (allgemeiner Text, Fachtext, Werbetext, Patent), Umfang und Häufigkeit der Aufträge, Textformatierung, Textwiederholungen usw. eine Rolle.

Insgesamt ist der Markt für Übersetzer und Dolmetscher schwierig und infolge der vielen zwischengeschalteten Vermittler oft recht unübersichtlich. Die Honorare stagnieren seit etlichen Jahren und manchen Übersetzern gelingt es (u.U. trotz hoher Qualifikation) mangels Anstellung oder wegen schlechter Auftragslage nicht, ein ausreichendes Einkommen zu erzielen. Insbesondere traditionell stark vertretene Einsatzgebiete bei Behörden und Gerichten sowie der Bereich Literatur (Arbeit für Verlage) bieten infolge von Sparzwängen der Auftraggeber heute kaum noch angemessene Verdienstchancen. Infolge der Globalisierung und der weitgehend über das Internet abgewickelten Auftragsbearbeitung ist der Markteintritt für (billigere) ausländische Anbieter sehr einfach.

Andererseits bietet die freie Mitarbeit als Übersetzer auch viele Vorteile. Geringe Investitionen (im Wesentlichen beschränken sich die Ausgaben auf die Computerausstattung, Bücher und evtl. Büromiete), Flexibilität in Bezug auf die Zeiteinteilung und den Arbeitsort (Homeworking oder Mobile Office sind sehr verbreitete Arbeitsweisen bei Übersetzern) und nicht zuletzt die aufgrund des Freiberuflerstatus (den Übersetzer als Angehörige eines freien Berufs ja unabhängig von der Beschäftigungsform genießen) geringen bürokratischen Anforderungen an den Geschäftsbetrieb ermöglichen ein ungezwungenes berufliches Dasein als „eigener Chef“. Die Spezialisierung auf bestimmte Marktsegmente oder Fachgebiete, engagierte Kundenpflege und ständige Weiterbildung sind allerdings unabdingbare Voraussetzungen für den langfristigen Erfolg in der Selbstständigkeit.